Grün zwischen Tradition und Trends

Gießen entdecken

Gießen ist eine ehrliche Haut. Die Narben, die Krieg und baulicher Zeitgeist der Stadt beigebracht haben, trägt sie offen. Ihre Schönheit liegt in den Details. Gießen ist daher eher eine Liebe auf den zweiten Blick. Schon auf den ersten Blick wird dagegen klar, dass man es hier mit einer jungen Stadt zu tun hat - trotz ihrer mehr als 800-jährigen Geschichte. Das liegt vor allem an den vielen Schülern und Studierenden, die diesen Bildungsstandort prägen. Gießen ist heute die Stadt mit der höchsten Studierendendichte in Deutschland. Und Gießen ist eine lebendige Stadt - lebendig dank der Menschen, die in ihr leben. Sie vor allem prägen die Vielfalt, die Mischung und das funktionierende Gemeinwesen, das die Stadt bei allen Unterschieden auszeichnet.

 

Gießen zählt zu den deutschen Städten, deren Zentren im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurden. Nur das prachtvolle Jugendstil-Stadttheater und die Johanneskirche an der Südanlage sowie das Neue Schloss (1540) am Brandplatz haben die Bombardierung einigermaßen unbeschadet überstanden.

 

 

Spuren der Geschichte lassen sich aber auch im heutigen Stadtraum entdecken, man muss sie nur lesen können: Der heutige Anlagenring markiert den Verlauf des einstigen Festungswalls (1530-60), der Theaterpark ist ein Rest der Grünanlage, die nach dem Schleifen der Wälle im 19. Jahrhundert angelegt wurde. Der Alte Friedhof (1530) verweist mit seinen Grabdenkmälern und der Kapelle (1625) nicht nur auf sein respektables Alter, sondern auch auf seine ursprüngliche Anlage außerhalb der Festungsstadt. Der 1609 gegründete älteste Botanische Garten, der sich noch am Ursprungsort befindet, ist immer innerhalb der Stadt geblieben.

 

Hochschulen mit Tradition

Als typisch kleine protestantische Landesuniversität startete die Universität Gießen 1607 ihren Lehrbetrieb. Aus der Ludoviciana, wie sie nach ihrem Gründer Landgraf Ludwig V. von Hessen bis 1945 hieß, hat sich über die Jahrhunderte ein imposanter Forschungs- und Lehrbetrieb entwickelt. 1957 wurde die Universität, nach ihrem bedeutendsten Wissenschaftler Justus Liebig (1803-1873) in Justus-Liebig-Universität benannt. Heute bundesweit einzigartig ist die Schwerpunktsetzung in den Lebenswissenschaften.

 

Zusammen mit den Studierenden der Fachhochschule studieren in Gießen 30.000 Studenten bei 77.000 Einwohnern: das gibt es sonst nirgendwo.

 
 

Events und Experimente

Gießen ist eine Studentenstadt. Das zeigt sich auch in der Feier-Kultur: Als ein Verwaltungshochhaus aus den 60er Jahren niedergerissen wurde, machten Künstler daraus ein Party-Event, eine "Virtuelle Behördenhochhaus-Sprengung". Stadtraum-Bespielungen haben in Gießen Tradition - Wissensfestivals wie die jährliche "Straße der Experimente" locken Tausende auf die Straße.

 

Doch auch in anderen Bereichen hat die Bürgerbeteiligung in Gießen eine lange Tradition. So geht der Aufbau eines Gießkannenmuseums auf eine offiziell eingereichte Idee anlässlich des Ideenwettbewerbs zur Landesgartenschau zurück. "Des Gärtners erste Pflicht: Gießen!", das Motto auf dem Weg zur Landesgartenschau Gießen 2014, ist in Gießen inzwischen schon in vieler Munde. Mit dem Gießkannenmuseum findet das Instrument zum Nachkommen dieser hegenden und pflegenden Pflicht nun einen Sammlungsort, an dem es sich in ihrer Vielfältigkeit präsentieren kann.

 

 

 

Lebendig ist Gießen auch dank seiner Nationalitäten-Vielfalt. Menschen aus fast 150 Ländern bereichern Gastronomie, Vereine, Politik und das Glaubensleben. Der Ur-Gießener nennt sich stolz "Schlammbeiser". Eine Bezeichnung, die zurückgeht auf ein eigentlich anrüchiges Gewerbe, nämlich das Reinigen der Abwasserrinnen mit dem "Schlemp-Eisen".

 

Grüne Stadt am Fluss. Die Natur-Lebensadern Lahn und Wieseck prägen Stadtbild und Landschaft. An ihnen entlang gelangen im Sommer viele Langstrecken-paddelnde und radelnde Besucher in das Zentrum. Und können dort wunderschöne Oasen entdecken. Die Giessener lieben ihren Sonntagsspaziergang rund um den Schwanenteich, zum innenstadtnahen Philosophenwald oder hinauf zum Kloster Schiffenberg oder zur Badenburg oder, oder, oder....

 

Heute weiß man es wieder zu schätzen: Grün ist nie weit weg, wo auch immer man sich in Gießen gerade befindet. Auf diese Tatsache gründet auch das Konzept für die Landesgartenschau.

 

 

 

 

 



 
 
 

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