Der Schwanenteich - Ein frischer Blick auf Nachhaltigkeit

Wasser neu erleben

Das Zusammenspiel von Wasser und Stadtraum bildet die Grundlage für ein lebendiges Stadtleben an den Ufern. Es ist der jeweils für den Ort typische Charakter der Stadt-Wasser-Kanten, der Unverwechselbarkeit und Identität schafft.

Die Stadt Gießen wendet sich an vielen Orten den Wasserflächen zu - so auch an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Richtung Schwanenteich: Der Schwanenteich bildet das Gelenk zwischen der Innenstadt und der freien Landschaft. Darüber hinaus verbindet der neue Platz an der THM den Park mit dem benachbarten Hochschulcampus. Ein durchgängiger Fuß- und Radweg führt von hier aus weiter durch das Stadtzentrum bis zur Lahnaue.

Die Grenze zwischen der Stadt und dem Teich ist der sensibel zu gestaltende Bereich: Großzügig, vielschichtig und interessant. Weite Horizonte und enge Abstiege, Vorbeifließen und Innehalten, Bewunderung und Respekt, Naturnahes und Gebautes. Am Südufer des Schwanenteichs wird mit dem "Platz an der THM" ein städtischer Uferbalkon entstehen, der vielfältige Nutzungen für die Bevölkerung erlaubt und seiner Bedeutung als Entree in die Wieseckaue gerecht wird.

Der zugeordnete, urbane Freiraum unterstützt die zentrale Funktion im Quartier, das Baum- und Beleuchtungskonzept hierarchisiert und akzentuiert den öffentlichen Raum. Die Absicht des Entwurfes ist es , neben einer Verbesserung der Wasserqualität, eine Anbindung an die Südstadt, die enormen Potentiale des Ortes zu wecken, verborgene Qualitäten sichtbar zu machen und dem Ort eine neue Bedeutung im Stadtraum zuzuschreiben.

Das Projekt besticht durch eine klare, ruhige und einfache Gestaltung aller Teilbereiche, was zu einer räumlich sehr großzügigen Lösung führt. Der Bezug zum Wasser, die Betonung der klaren Uferkanten und die Tektonik des Geländes spielen dabei die Hauptrolle. Eine neue Atmosphäre entsteht und der Platz unterstreicht die Hinwendung zum Wasser und wird eine willkommene Möglichkeit bieten, sich dem Wasser zu nähern und die Wasserfläche neu zu erfahren.

 
 

Verborgene Qualitäten entdecken

Der Platz an der THM findet im Norden sein Vis-à-Vis in einem klug ausgestalteten Rasenhang mit integrierten Sitzblöcken. Dank sanfter Neigung und niedriger Geländesprünge wird eine Situation geschaffen, die es ermöglicht die Wasserfläche des Schwanenteichs auch von hier zu erleben. Der langgestreckte Hang markiert den Übergang zu den extensiven Wiesenflächen der Wieseckaue.

Der Entwurf reagiert feinfühlig auf das städtebauliche Umfeld mit dessen besonderen Solitärsituation und entwickelt andererseits ein einheitlich durchgehendes, wie zusammenfassendes Erscheinungsbild der neuen Anlage.

 

Die neue Brücke - Ideal der Proportionen

Die mit bewusst geringem Abstand über dem Wasser schwebende Brücke eröffnet auch hier einen sinnlichen Zugang zum kulturhistorisch bedeutsamen Schwanenteich. Darüber hinaus ist sie der Vermittler, im wörtlichen Sinn der "Brückenschlag" zwischen Tradition und Zukunft des Ortes. Die klar gezeichneten Uferkanten des Schwanenteiches mit den ruhigen Wasserflächen und der glänzenden Brücke stärkt die Charakteristik beider Elemente. Die Wege der Gartenschau verknüpfen die Orte und ermöglichen die Lesbarkeit und Erfahrung des Raumes.

Durch die Bewegung im Raum, die Auswahl der Route entsprechend den persönlichen Referenzen - schnell und zielstrebig, genüsslich flanierend, neugierig auf der Suche nach Abwegen oder in langsamen Etappen verweilend und beobachtend - gestaltet sich der Besucher so seinen individuellen Freiraum.