Die Wieseckaue wird zukünftig von der angrenzenden Nordstadt über ein neues Park-Foyer zugänglich sein. Mit dem Quellgarten wird ein zentraler Zugang in die Wieseckaue und zum Neuen Teich zwischen dem Parkplatz Theodor-Litt-Schule und der benachbarten Kleingartenanlage an der Ringallee geschaffen.
Ein spannendes Entree entsteht, denn der Höhenunterschied zwischen Ringallee und dem NeuenTeich, wird durch zwei parallel verlaufende Rampen barrierefrei überwunden, die in ihrer Mitte den Bereich des Quellgartens, den Senkgarten, bilden. Nach Außen wird der Quellgarten durch parallel verlaufende Heckenstreifen abgeschirmt. Zur fußläufigen Querung schneiden zwei Treppenläufe die mit Cortenstahl verkleideten Böschungen. Ein Gartenraum, der nicht nur mit seiner Dynamik zwischen offenen und geschlossenen Räumen überzeugt, sondern auch die Qualitäten des Landschaftsraumes weiterentwickelt.
Der klassische Senkgarten hat seine Ursprünge in den barocken Anlagen Frankreichs und Italiens. In England war die Gartenform des "sunken garden" um die Jahrhundertwende modern, insbesondere um Duftpflanzen und Raritäten einen wirkungsvollen Rahmen zu geben. Danach verschwanden sie lange Zeit aus der Gartengestaltung.
Er ist immer noch selten zu sehen, aber überall da wo man ihn findet, bietet er Anlass zum Staunen. Der klassische Senkgarten umfasst einen meist rechteckigen Ausschnitt aus der Gesamtfläche und ist deutlich tiefer gelegt als die Umgebung.
Der Quellgarten - neue Wege zum Wasser

Die versunkene Idylle
Dialog mit der Natur
Sparsame, klare geometrische Linien, ortsübliche Farben und heimische Bepflanzung sowie seine perfekte Ausgewogenheit von Form und Funktion zeichnen den neu entstehenden Quellgarten aus. Anders als beim klassischen Senkgarten wird der Quellgarten nicht von allen vier Seiten von Mauern gefasst, er ist zur Parkseite hin geöffnet. Der Garten und die beiderseits verlaufenden Wege führen mit kontinuierlichem Gefälle von der Ringallee bis auf das Niveau des Parkes am Teichufer. Der abgesenkte Bereich des Gartens verbleibt stets auf dem Niveau der Wieseckaue, so dass sich ein umlaufender Höhensprung von rund zwei Metern ergibt. Im Bereich des Zugangs zur Kleingartenanlage erreichen die innere und die äußere Ebene gleiches Niveau. Die Böschung wird mit Cortenstahlblech verkleidet. Zur Erschließung des Senkgartenbereichs queren an zwei Stellen Treppen.
Cortenstahl findet im modernen Gartendesign immer wieder Verwendung. Er ist so langlebig wie Edelstahl, bringt aber einen individuellen Charme in den Garten. Cortenstahl sieht am Anfang unscheinbar aus, entwickelt dann aber durch die natürliche Verwitterung eine einzigartige individuelle Patina. Diese "Haut", die sich immer wieder verändert, schützt den Stahl und macht ihn langlebig.
Ein Senkgarten hat viele Vorteile: Durch das Tieferlegen ist der Senkgarten geschützt und bietet Wind- und Frostschutz für empfindliche Pflanzen. Die einfassenden Mauern erwärmen sich und geben die gespeicherte Wärme zurück. Das wirkt auch auf die Besucher, die einen Senkgarten betreten.
Im Innern des Gartens wird ein kleiner Wasserlauf angelegt, der den Garten in der Längsachse durchzieht. Gespeist wird der Wasserlauf durch einen natürlichen oberflächennahen Grundwasseraustritt, der als Quellöffnung inszeniert wird und somit dem Garten als Namensgeber dient. Das Bett, die Böschungen und die seitlich angrenzenden Laufflächen erhalten eine Schüttung aus Natursplitt, in die Natursteinquader integriert werden. Entlang des Wasserlaufs werden Trittsteine aus Natursteinen so gesetzt, dass ein schmaler Pfad entsteht.
Einen Wimpernschlag vom Blattgrün entfernt
Der rund 720 qm große Quellgarten soll neben seinem baulichen Rahmen durch seine besondere Vegetation einen unverwechselbaren Eindruck bei seinen Besuchern hinterlassen. Prägend wird die lockere Gruppierung von Silber-Weiden (Salix alba 'Liempde') sein, die mit ihren kegelförmigen Kronen die Anlage krönen. Den Wasserlauf begleiten Pflanzungen aus Stauden und Gräser. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein, wird sich ein stetig wechselnder Eindruck vermitteln.
Nach einem intensiven Geophythenflor (vor allem Narzissen) werden im Mai und Juni ausgedehnte Gruppen von Wieseniris (Iris sibirica) mit ihren Blautönen zu beeindrucken wissen. Zu den leuchtenden Blickfängen im sommerlichen Feuchtbiotop gehört der heimische Blutweiderich (Lythrum salicara), der mit seinen kräftig purpurnen Blütenständen zu imponieren weiß. In den letzten Septemberwochen vermag die edle Feuerwerks-Goldrute (Solidago rugosa 'Fireworks') ein weiteres Highlight zu setzten. Diese drei sehr starken und sehr unterschiedlichen Farbeindrücke werden vor dem Hintergrund der Cortenstahlflächen zur Wirkung kommen und erfahren im Sommer und Herbst durch die großzügige Verwendung der Rasenschmiele (Deschampsia cespitosa 'Tardiflora') eine weitere Veredelung. Insgesamt wird ein Vegetationsbild angestrebt, dass die frischen bis feuchten Standorte in seinem Erscheinungsbild vermitteln.
Der Quellgarten besitzt genug Dominanz, um den ankommenden Besucher auf sich aufmerksam zu machen und zu empfangen, duckt sich dann aber auch so weit weg, dass es den Blick auf das Eigentliche nicht verstellt. Mit der Inszenierung des Ausblicks auf den Neuen Teich lassen die Landschaftsarchitekten keinen Zweifel aufkommen, wohin man sich wenden und worüber man staunen soll.
Der Quellgarten überzeugt durch ein robustes stadträumliches Konzept, das zugleich die vorgefundene Stadtstruktur sensibel ergänzt.
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