Die neue Lahnbrücke -
eine Brücke die verbindet und begeistert

Gießen will als Stadt am Fluss neues Profil gewinnen und erobert sich die Lahn als Kultur- und Naturraum zurück. An exemplarischen Schauplätzen zeigt die Stadt, wie die Lahn mit ihren Ufern als Stadt- und Landschaftsraum in den kommenden Jahrzehnten zurückgewonnen werden kann.

Neue Lahnbrücke

Wege zum Wasser

War der Fluss bisher in vielen Bereichen des Stadtgebietes kaum zugänglich, weil seine Ufer mit Gewerbe, Eisenbahn und im nördlichen Bereich durch private Nutzungen belegt sind, ist er nun ein wichtiger Bezugspunkt für die Stadtentwicklung.

Auslöser dieser Planungen ist die Landesgartenschau 2014. Es bietet sich die Chance einer stimmigen Neuordnung von Arealen, die bislang unter einem ungeordneten Nebeneinander von Nutzungen litten. Ziel ist das Flussufer Schritt für Schritt für die Menschen wieder zugänglich zu machen und so manchen städtebaulichen Wildwuchs zu beseitigen.

Etwa sieben Kilometer schlängelt sich die Lahn durch Giessener Territorium, auf ca. drei Kilometern berührt sie eigentliches Stadtgebiet. Die unverkennbare Distanz von Gießen zu ihrem Fluss hat ihre historischen Wurzeln: Aus heutiger Sicht fließt die Lahn mitten durch Gießen und trennt die Weststadt von der Innenstadt. Technischer Fortschritt führte ebenfalls dazu, dass weitere Barrieren entstanden. Um 1850 wurde die Main-Weser-Bahn gebaut, die auf einem hohen Damm durch das gesamte Stadtgebiet verläuft, und den Zugang zur Lahn und den freien Blick auf den Fluss verhindert.
Und dennoch hat Gießen von je her eine starke Beziehung zum Fluss und zum Wasser - schließlich ist Gießen aus einer Wasserburg entstanden und trägt nicht umsonst das Wasser im Namen. 

Dennoch war in der Vergangenhei die Lahn im Stadtbild bisher kaum präsent, und die Stadt wird in den kommenden Jahren wieder an die Lahn herangeführt. Im Dialog mit dem Fluss, mit wohldosierten Maßnahmen und mit einem kreativen Flächenmanagement, wertet Gießen seinen Stadtraum an der Lahn auf und trägt dazu bei, dass der Fluss auch wieder als identitätsstiftender Stadtraum erlebt werden kann.

 

Ein großer Brückenschlag

Die gemeinsame Zukunft der Nordstadt und der Innenstadt liegt in der Hinwendung zur Lahn, der Nutzung der veränderten zentralen Wasserlage außerhalb des Zentrums und der Entwicklung und Verknüpfung der Ufer über eine neue Brücke - die "neue Lahnbrücke".

Seit gut 50 Jahren wird über sie geredet, jetzt kommt sie: die neue Lahnbrücke zwischen Weststadt und Nordstadt in Verlängerung der Sudetenlandstraße. Das Bauwerk, eine schlanke Brücke für Fußgänger und Radfahrer, wird für die beiden Stadtteile ganz neue Verbindungen schaffen.

Die Brücke wird als rückverankerte Hängebrücke mit zwei Stahlpylonen ausgeführt. Die Stützung der Tragseile erfolgt durch zwei 15 Meter hohe Pylone auf beiden Seiten der Lahn. Die Brücke wird auch für Rad- und Wasserwanderer von weitem schon als Landmarke zu erkennbar sein, denn die Pylone sind noch einmal um 7 Meter verlängert und bieten somit eine markante Silhouette, die auch von der Sudetenlandstraße aus erkennbar sein wird.

 
 


Mit einer Breite von 4 Metern wird die Brücke ausreichend Platz für Fußgänger und Radfahrer bieten; auch reicht die Höhe über der Lahn aus, um Schiffsverkehr zu ermöglichen - etwa für das beliebte Ausflugsboot "Schlammbeiser". Im Wasser stört kein Pfeiler den Bootsverkehr, denn die Brücke wird eine lichte Weite von 50 Metern zwischen dem Ost- und dem Westwiderlager haben. Durch die horizontal verspannten Stahlseile des Geländers wird das Bauwerk besonders luftig und elegant wirken.

 

Die neue Lahnbrücke - ein erster Meilenstein

Die Zuwegung zum Brückenbauwerk erfolgt über öffentliche Grünflächen. An beiden Einmündungen - in den Leimenkauter Weg im Westen und die Bootshausstraße im Osten - bilden kleine befestigte Plätze einen repräsentativen Auftakt und bieten sich als Treffpunkt oder Ort zum Verweilen an. Die begrünten Freiräume stellen darüber hinaus einen wichtigen Baustein für die Erschließung des Lahnufers dar. Beidseitig der Lahn soll in diesem Abschnitt mittelfristig ein durchgängiger Uferweg realisiert werden, der den Fernwanderweg "Studentenpfad" und den "Lahntalradweg" aufnehmen wird. 

Die Brücke ist ein erster Meilenstein einer umfassenden Rahmenplanung, welche die Stadtverordnetenversammlung im Juni 2011 beschlossen hat. Die neue Brücke steht im Zusammenhang mit zwei weiteren Maßnahmen, die ebenfalls bis 2014 realisiert werden: dem Durchstich durch den Bahndamm in Höhe der Dammstraße und der Anlage einer Rampe über das Lahnwehr. Dadurch entstehen ganz neue Möglichkeiten, die Lahn auf einem "Rundkurs" von ca. 2 Kilometer Länge mit Rad, Inlinern oder zu Fuß zu erleben. Mit dem Zuweg über die Dammstraße besteht die direkte Verbindung zur Innenstadt.

Mit dem Bau der Brücke findet eine gut fünfzigjährige Planungsgeschichte ihren erfolgreichen Schlusspunkt. Die neue Brücke wird zum Foyer der Stadt, sie lädt Fußgänger und Radfahrer herzlich ein, die Stadt zu besuchen. 

Durch die neue Fuß- und Radwegbrücke wird das Lahnufer ins öffentliche Bewusstsein gerückt und stellt für die Bewohnerinnen und Bewohner der angrenzenden Nord- und Weststadt eine wichtige Verbindung dar. Die Brücke ist nicht nur Auftakt der Umgestaltung an der Lahn sondern ist somit auch Botschafter für alle weiteren Entwicklungsschritte in den kommenden Jahren. Perspektivisch wird das gesamte Lahnufer für die Öffentlichkeit erschlossen und die Wasserlage der Stadt erlebbar gemacht.

 

Arbeitstitel Nordstadtbrücke!

Ein endgültiger Name ist noch nicht gefunden - und noch nicht vergeben.

Die neue Lahnbrücke wird bislang in den Bau- und Planungsbeschlüssen unter dem Titel "Nordstadtbrücke" geführt.

 
 
 
Neue Lahnbrücke